1891–1948. Beamter im Reichswirtschaftsministerium, kein akademischer Ökonom. Arbeitete während der Weltwirtschaftskrise (1929–1933) an den theoretischen Grundlagen einer aktiven Krisenpolitik – gegen die herrschende Spardoktrin.

Lautenbach erkannte, dass die damalige Orthodoxie einen fundamentalen logischen Fehler beging: Sie übertrug das Sayssche Gesetz (Angebot schafft Nachfrage) auf die Gesamtwirtschaft und behandelte Angebot und Nachfrage als unabhängig voneinander bestimmbar. Daraus folgte die politische Empfehlung zur Haushaltskonsolidierung in der Krise – die Lautenbach als zwingend falsch nachwies.

Sein zentrales Ergebnis ist die Unternehmergewinngleichung:

EU = I + VU − SN

Unternehmereinkommen (EU) ergibt sich als Resteinkommen: Investitionen (I) plus Eigenkonsum der Unternehmer (VU) minus Ersparnisse der Nichtunternehmer (SN). Daraus folgt: Gewinne entstehen nicht durch Sparsamkeit, sondern durch Ausgaben. Staatliche Austerität in der Krise senkt zwingend die Unternehmensgewinne und verschärft die Krise.

Lautenbach formulierte diese Einsicht nahezu gleichzeitig mit Keynes und Kalecki – unabhängig von beiden. Zu Lebzeiten blieb er ein Außenseiter ohne akademische Resonanz. Seine Schriften wurden erst 1952 posthum von Stützel herausgegeben, der sie als Vorarbeit zur Saldenmechanik würdigte.

Hauptwerk: Zins, Kredit und Produktion (hrsg. von W. Stützel, 1952).