1925–1987. Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität des Saarlandes. Einer der methodisch originellsten deutschen Ökonomen des 20. Jahrhunderts – innerhalb des Fachs einflussreich, im öffentlichen Diskurs weitgehend unbekannt.

Stützels zentraler Beitrag ist die Saldenmechanik (Volkswirtschaftliche Saldenmechanik, 1958): ein formaler Rahmen, der buchhalterische Identitäten strikt von Verhaltenshypothesen trennt und Gesamtaussagen (was für alle Akteure zusammen gilt) von Partialaussagen (was für einen einzelnen Akteur gilt) unterscheidet. Damit macht er den Kompositionsfehlschluss in der Ökonomie sichtbar und angreifbar: Was für den Teil richtig ist, kann für das Ganze falsch sein.

1952 gab Stützel die posthumen Schriften von Lautenbach heraus und benannte dessen Kernergebnis als Unternehmergewinngleichung – ein Beispiel für seine Praxis, präzise Begriffe dort zu setzen, wo andere unscharf argumentierten. In seinem berühmten „Oberseminar” führte er Generationen von Studierenden in saldenmechanisches Denken ein; [[Flassbeck]] ist der bekannteste Vertreter dieser Tradition.

Stützel war liberal und verteidigte den Markt – verstand das aber nie als Lizenz, gesamtwirtschaftliche Logik zu ignorieren. Er kritisierte sowohl nachfragepolitischen Aktivismus ohne saldenmechanische Fundierung als auch angebotstheoretische Orthodoxie, die einzelwirtschaftliche Kategorien unzulässig auf die Gesamtwirtschaft übertrug.

Sein Satz über den Zuschauer bei der Prozession – „Ein einzelner kann aufstehen, um besser zu sehen. Alle können es nicht” – ist die prägnanteste deutschsprachige Formulierung des Aggregationsparadoxons.

Hauptwerke: Volkswirtschaftliche Saldenmechanik (1958/1978); Preise, Notenbank, Außenwirtschaft (1956).