Flassbeck würdigt in seinem Aufsatz Wolfgang Stützels Beitrag zur Volkswirtschaftslehre und kritisiert scharf das Versagen der modernen Ökonomie in Deutschland. Kern des Textes ist Stützels Saldenmechanik – die buchhalterische Logik, dass das Geldvermögen einer Volkswirtschaft insgesamt stets null beträgt, weil jeder Forderung eine gleich hohe Verbindlichkeit gegenübersteht. An drei wirtschaftspolitischen Beispielen zeigt Flassbeck, wie diese gesamtwirtschaftliche Logik in der Praxis ignoriert wird:
- Rentendebatte: Die These der Überlegenheit des Kapitaldeckungsverfahrens gegenüber dem Umlageverfahren scheitert an der saldenmechanischen Grundwahrheit: Eine Volkswirtschaft als Ganzes kann nicht sparen. Das Geldvermögen ist immer null – ein demographisches Problem lässt sich nicht durch bloßen Wechsel der Finanzierungsform lösen, sondern nur durch reale Anpassung.
- Steuersenkung und Unternehmensgewinne: Flassbeck greift Wilhelm Lautenbachs „Unternehmergewinngleichung” auf: Unternehmensgewinne steigen nur, wenn irgendein Sektor (Staat, Ausland oder private Haushalte) sich stärker verschuldet oder entspart. Steuersenkungen kombiniert mit Haushaltskonsolidierung können daher per definitionem keine positiven Investitions- und Beschäftigungseffekte erzeugen – der sinkende Staatsdefizit zieht die Gewinne nach unten.
- Wettbewerb der Nationen: Der Versuch von Staaten, durch Lohn-, Steuer- oder Währungsdumping Wettbewerbsvorteile zu erlangen, ist ein Nullsummenspiel. Was für ein einzelnes Unternehmen funktioniert (Kostensenkung), führt auf gesamtwirtschaftlicher Ebene zwingend zu Verteilungskämpfen, Deflation und – wie in den 1930er Jahren – zu internationalen Abwertungsspiralen.
Fazit: Flassbeck beklagt, dass die deutsche Ökonomenzunft die gesamtwirtschaftliche Logik Stützels und Lautenbachs zugunsten einzelwirtschaftlichen Denkens und ideologischer Positionen aufgegeben hat – mit fatalen Folgen für die Wirtschaftspolitik.