1883–1946. Britischer Ökonom, Diplomat und Intellektueller; Mitglied der Bloomsbury Group, Berater des Schatzamts, Unterhändler bei Bretton Woods — die einflussreichste Figur der Makroökonomie im 20. Jahrhundert.

Mit der General Theory of Employment, Interest and Money (1936) widerlegte er das Saysche Gesetz und begründete die Makroökonomie als eigenständige Disziplin: Gesamtbeschäftigung wird nicht durch Angebot, sondern durch effektive Nachfrage bestimmt — was Unternehmen tatsächlich zu verkaufen erwarten. Eine Volkswirtschaft kann dauerhaft in einem Gleichgewicht mit Unterbeschäftigung verharren; es gibt keinen automatischen Rückkehrmechanismus zur Vollbeschäftigung.

Zentrale theoretische Beiträge:

  • Prinzip der effektiven Nachfrage: Investitionen bestimmen Ersparnisse, nicht umgekehrt. Die klassische Kausalität ist umgekehrt — und was für den Teil gilt, gilt nicht für das Ganze.
  • Paradox der Sparsamkeit: Kollektives Sparen in der Krise senkt Gesamteinkommen und damit das Gesamtsparen. Was für den einzelnen Haushalt rational ist, ist für die Volkswirtschaft destruktiv.
  • Liquiditätspräferenz: Der Zins ist der Preis für Liquiditätsverzicht, nicht für Zeit — weshalb er in der Krise nicht automatisch fällt und Investitionen nicht automatisch stimuliert.
  • Fiskalmultiplikator: Staatliche Ausgaben erzeugen ein Vielfaches ihres Volumens an Gesamtnachfrage; der Staat muss Nachfragelücken schließen, wenn private Akteure dies nicht tun.
  • Bancor-Plan (1944): Internationaler Währungsvorschlag, der Überschuss- und Defizitländer symmetrisch unter Anpassungsdruck setzt — bei Bretton Woods zugunsten des US-dominierten IWF abgelehnt.

Kalecki entwickelte wesentliche Teile dieser Theorie früher und unabhängig — und ergänzte, warum die richtige Theorie trotzdem politisch nicht angewendet wird.

Hauptwerke: A Tract on Monetary Reform (1923), A Treatise on Money (1930), The General Theory of Employment, Interest and Money (1936).