Heinrichsgeist

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Mentales Modellieren
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L. Randall Wray

Modern Money Theory

Ökonomische Revolution oder Geldflutung? Eine Einführung

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Buch 2022 https://www.boersenmedien.de/produkt/modern-money-theory-2859.html

Wahrgenommen von Heinrichsgeist: 2023. Zitate auf dieser Seite beziehen sich auf diese Quelle, sofern nicht anders gekennzeichnet (Zitationszweck: Anschauliche Hervorhebung ausgewählter Passagen).

Interessant

Anspruch ist die Modern Money Theory in ihrer Funktionsweise anschaulich und für breites Publikum darzustellen. Die Theorie ist an sich neutral, die Darstellung soll es auch sein, möglichst ohne ideologische Ausschmückungen.

Abbildung 1.3 “Sektorale Finanzierungssalden in Prozent des BIPs, 1952q1 bis 2010q4”, die Wynne Godleys Sektoralbilanz auf historischer Datenbasis verbildlicht.

Steuern sind der Treiber für Währungsnutzung und Währungsakzeptanz. Edelmetalldeckung ist nicht erforderlich.

Im Inland kann der Staat alles kaufen, was zum Verkauf steht, wenn es in seiner eigenen Währung zum Verkauf steht. Und er kann diese Nachfrage durch die Erhebung von Steuern schaffen. Wenn Waren nur in ausländischer Währung verkauft werden, kann die kasachische Regierung sie möglicherweise nicht mit ihrem Tenge kaufen, sondern muss sich den Devisenmärkten stellen.

Monetarisierung von Sachwerten (2.7) ist möglich, wenn sich Jemand verschuldet. Schuldscheine des Staates sind: Zentralbankreserven, Bargeld und Staatsanleihen.

James Galbraiths Formel (in 2.7) zur Bewertung der Nachhaltigkeit von Defizitausgaben, damit kann für idealisierte Fälle zeigen, dass das relative Defizit (bezogen aufs BIP) bei unendlicher Fortschreibung nicht unbedingt gegen unendlich streben muss. Es kann auch gegen einen endlichen Wert streben, nämlich dann wenn wenn das Zinsniveau kleiner ist als das Wirtschaftswachstum. Für private Haushalte kann dieser Zusammenhang zu Insolvenz führen. Nicht jedoch für den währungssouveränen Staat - er kann jedes Defizit ausgleichen, d.h. auch falls es gegen unendlich streben sollte.

Ethymologie des Begriffs Diskontfenster (Discount Window): Die Zentralbank kauft Banken mit Abschlag etwas ab, nämlich Schuldscheine von Unternehmen.

Eindruck (Verrechnung von Konten löscht Schuldscheine und Währungspyramide): Bei reinen Finanztransaktionen (d.h. wenn keine realen Produkte/Dienstleistungen im Spiel sind) werden Finanzielle Verbindlichkeit gegen Finanzielle Verbindlichkeit getauscht (Wechsel ist ein ein historischer Begriff in dem Zusammenhang). Welchen Sinn hat die Transaktion dann? Ein häufiger Grund betrifft Zeitlichkeit: Der eine gibt dem anderen sofort Liquidität im Tausch für ein Zukunftsversprechen. Dafür wird ein Zins (bei Kreditgeschäften) oder ein Abschlag (bei Verkauf von Termingeschäften) berechnet; Zins und Abschlag wirken quasi gleich, sie sind ein Preis für schnelle Liquidität (Bargeld oder Sichteinlage). Es sind noch andere Dimensionen möglich, z.b. wenn man nicht schnelles Geld braucht sondern seine Finanziellen Assets umstruktieren möchte, dafür kann es unterschiedliche Gründe geben.

Interessant ist auch (Währungspyramide) das Bild, dass sich Banken mit ein wenig Reserven Zentralbankgeld eindecken, um laufende Clearing Transaktionen (da wo Ausgleich mit anderen Banken nur per Zentralbankgeldtranfers stattfindet) abwickeln zu können. Interessant dabei ist das Bild, diese Reserven als Einsatz der Bank zu verstehen. Reserven sind Assets ohne Income Cash flow aber erforderlich, um mitzuspielen im Bankenwesen.

3.8 Schlussfolgerungen zur Rolle der Zentralbank und des Schatzamtes.

Früher leistete Finanzamt sine Zahlungstransaktionen selbst. Diese Funktion übernimmt nun (mit vereinzelten Ausnahmen) die Zentralbank - sie ist die Bank der Regierung. Für viele Modellierungszwecke können Zentralbank und Schatzamt adäquat als eine Einheit modelliert werden. Die mehrstufigen Zwischentransaktionen über Zentralbank und Geschäftsbanken ändert nichts am Ergebnis, dass die Staatsausgaben direkt mit dem nichtstaatlichen Geldvermögen (Bankguthaben und Staatsanleihen) gekoppelt sind. Anschaulich wird das bei den Staatseinnahmen (Steuern, Abgaben….) die nichtstaatliches Vermögen 1:1 verringern. (In den Abschnitten 3.6 und 3.7 wird das ausführlich hergeleitet, und auch begründet, warum die Zentralbank nicht wirklich unabhängig agieren kann. Die FED wird bspw. vom Kongress kontrolliert).

Zweite Funktion der Zentralbank: Sie ist Clearingstelle, Bank der Banken, sie betreibt das offizielle Zahlungssystem zwischen den Geschäftsbanken untereinander.

Japan Frage 4, S.142 / 155 können wir davon ausgehen Sparquoten

4.3

Banken vergeben Kredite an kreditwürdige Kreditnehmer, schaffen Einlagen und halten die Schuldscheine der Kreditnehmer. Wenn die Banken dann Reserven brauchen (oder wollen), beschaffen sie sich diese am Interbanken-Tagesgeldmarkt oder am Diskontfenster der Zentralbank. Wenn insgesamt wenig Geld im System ist, signalisiert ein Aufwärtsdruck auf den Tagesgeldsatz der Zentralbank, dass sie Reserven durch Offenmarktkäufe bereitstellen muss.

4.5

Die beiden Hauptgründe, warum die USA anhaltende Leistungsbilanzdefizite aufweisen können, sind jedoch, dass (a) praktisch die gesamte Auslandsverschuldung in Dollar besteht und (b) die Auslandsnachfrage nach auf Dollar lautenden Vermögenswerten aus einer Reihe von bereits erörterten Gründen hoch ist.

4.6 Trilemma: Wechselkurs fest? Kapitalströme frei? Innenpolitische Unabhängigkeit?

4.6

F: Ich habe den Eindruck, dass das derzeitige System so aufgebaut ist, dass die Nettoexportnationen das internationale Handelsspiel immer „gewinnen“, und zwar indem sie dem Zielland Liquidität entziehen und die heimische Wirtschaft unter Druck setzen, weil die heimische Regierung zu viel Angst hat, die Liquidität durch neue Verbindlichkeiten zu ersetzen.

A: Sie „gewinnen“ das Buchhaltungsspiel und „verlieren“ das echte Spiel. Exporte sind Kosten! Das liegt am fehlenden Verständnis dessen, wozu eine Wirtschaft da ist. Aber ich stimme zu – viele Länder betreiben ihre Wirtschaft auf diese Weise.

5 Steuerpolitik für souveräne Staaten

Steuern legitimieren die Währung - durch die Steuerpflicht wird eine Nachfragen nach der staatlichen Währung geschaffen, Unternehmer und Bürger müssen versuchen in den Besitz des staatlichen Geldes zu gelangen.

Tax drives money - Steuern treiben das staatliche Geldsystem an, sie erzwingen einen Umsatz. Ausbleibende Steuerzahlung wird durch Gerichtsbarkeit und Staatsgewalt verfolgt. Ähnliche Funktion in kleiner Größenordnung haben nauch Gebühren und Bußgelder.

5.2

Wichtig: Nach MMT Verständnis gilt

Ein souveräner Staat braucht keine Einnahmen in seiner eigenen Währung, um Ausgaben tätigen zu können.

Jede Steuerzahlung wird mit Geld getätigt, welches der Staat zuvor einmal herausgegeben hat. Also logisch gilt, erst ausgeben, dann besteuern.

Durch die Steuern wird ein Teil des Geldes aus dem Verkehr gezogen. Damit kann die Gesamtnachfrage gesenkt werden, was im Fall von zu hoher Inflation als Finanzinstrument genutzt werden kann.

New Dealer Beardsley Ruml schrieb 1946 zwei Aufsätze, darin vier Funktionen von Steuern genannt

  1. Fiskalpolitisches Instrument zur Stabilisierung der Kaufkraft des Dollar
  2. Politisches Mittel zur Vermögens- und Einkommensverteilung
  3. Politisches Mittel zur Subventionierung oder Bestrafung industrieller Aktivitäten
  4. Zweckbindung von Nutzungskosten bestimmter nationaler Leistungen (z.b. Autobahnen, Sozialversicherung).

Bei 3. und 4. geht es nicht darum, dass der Staat die Einnahmen der Steuer braucht, sondern um Verhaltensbeeinflussung, Verschwendung realer Ressourcen kann so verhindert werden.

Ruml schreibt weiter

„Der öffentliche Zweck, der [durch die Steuer] erfüllt wird, sollte in einem Steuerprogramm niemals unter der Maske der Einnahmeerhöhung verschleiert werden“ (1946a, S. 268).

Körperschaftssteuer ist eine besonders sinnlose Steuer, so sehen das Ruml, Minsky (Why Minsky Matters) und auch die MMT. Die Progressiven haben das bislang leider nicht begriffen.

5.3 Steuern zur Umverteilung

Umverteilung (Robin Hood Geschichte) ist beliebt in linken Kreisen (insbesondere seit Thomas Piketty), aber nicht die beste Lösung (weil schwer einzutreiben, aufwändig und instabil). Nach MMT wäre besser eine “Vorverteilung”, d. h. an der Quelle angreifen, Ungleichheit gar nicht erst entstehen zu lassen. Beispiele für solche Maßnahmen: Vollbeschäftigung mit hohem Lohnniveau, Abschaffung von Staatsanleihen, Verbot von Aktienbesitz und Warentermingeschäften für staatlich subventionierte Pensionsfonds, Einschränkung zulässiger Bankgeschäfte, Begrenzung Managergehälter.

Gift ist, wenn bei den Steuerzahlern das Bild entsteht, dass Steuern eine Gegenleistung für persönlich inanspruch genommene staatliche Leistungen sind, dann setzt nämlich das “Gegenrechnen” ein, was nur schiefgehen kann. Das bessere Bild wäre es, Steuern als Beiträge zum Gesamtsystem Staat (in dem man lebt/agiert) zu begreifen und auch als teilweise Entschädigung für schädliches Verhalten.

5.4 Steuern und der öffentliche Zweck

Zweck von Steuern ist die Zuführung von realen Mitteln (Wirtschaftsressourcen) für den öffentlichen Zweck. Das funktioniert so: Weitverbreitete Steuerschuld führt zur allgemeiner Akzeptanz der Schuldscheine des Staates (Geld). Um in den Besitz der staatlichen Schuldscheine zu kommen muss man Dienstleistungen oder Güter gegen diese Schuldscheine eintauschen - entweder bei privaten Geldbesitzern, die zu diesem Tausch bereit sind oder direkt beim Staat, der auf diese Weise reale Mittel für den öffentlichen Zweck bekommt.

Daraus folgt, dass der Staat mit dem Instrumentarium Steuern + staatlicher Geldschöpfung an Mittel für den öffentlichen Zweck kommt. Daraus folgt auch, dass zu hohe Verschuldung des Staates gegenüber privaten Gläubigern schädlich für die erforderliche Machtbalance sein kann.

Dies ist heute die gängigste Art und Weise, wie souveräne Regierungen dem öffentlichen Sektor Mittel zuführen: In den letzten Jahrhunderten stützen sie sich zunehmend auf Steuern. Je weiter wir allerdings in die Vergangenheit zurückgehen, umso wichtiger waren andere Verbindlichkeiten wie Bußgelder, Gebühren, Zehnte und Tribute. Natürlich gibt es auch andere Möglichkeiten, Ressourcen in den öffentlichen Sektor zu verlagern. Am einen Ende des Spektrums der Alternativen stehen die Wehrpflicht und die Enteignung. Auf der anderen Seite gibt es die Freiwilligenarbeit

Steuern entziehen dem privaten Sektor Ressourcen. Wenn keine Vollbeschäftigung herrscht, dann bewirken Steuererhöhungen meist Erhöhung von Arbeitslosigkeit. Das Gleiche gilt für die die Kürzung von Staatsausgaben. Wenn Staatsausgaben erhöht werden bei konstanten Steuern, dann ist auf Einschränkung durch Ressourcenknappheit (Vollbeschäftigung zählt dazu) zu achten und ggf. Gegenzusteuern (Steuererhöhungen oder staatl. Ausgabenkürzungen).

5.5 und 5.6

Monetarisierte Wirtschaft: Ein Geldsystem das funktioniert, das ist keine Selbstverständlichkeit, das muss erstmal zum Funktionieren gebracht werden. Beispielsweise haben die Kolonialmächte zunächst Hütten- und Kopfsteuer zur Monetarisierung erheben müssen - denn Lohnsteuer konnte durch Ablehung von Lohnarbeit umgangen werden (Wirtschaft funktionierte ja traditionell auch ohne Lohnarbeit).

Durch Besteuerung kann der Staat einen Teil der verfügbaren Wirtschaftsressourcen in den öffentlichen Sektor lenken, idealerweise ohne nützliche wirtschaftliche Aktivitäten des privaten Sektors abzuwürgen. Gutes Leitprinzip ist „Besteuerung von Schäden, nicht von Gütern“:

  • Unternehmenssteuern (auch Körperschaftssteuern) stattdessen sollten lieber Einkommen der Kapitaleigner deutlich progressiv besteuert werden
  • Lohnsteuern benachteiligen menschliche Arbeit gegenüber Robotereinsatz
  • Verbrauchssteuern sind eher schädlich, da sie regressiv wirken (untere Einkommen härter treffen) und direkt negativ auf den Lebensstandard der Menschen wird, also direkt gegen das oberste Ziel des Wirschaftens gerichtet ist s

Eine progressive Einkommensteuer trägt dazu bei, den Wert der Währung zu stabilisieren, da die Steuereinnahmen während eines Aufschwungs schnell steigen (da die Einkommen steigen) und in einer Rezession fallen.

Metapher: Staatliches Geld ist wie eine “du kommst aus dem Gefängnis frei”-Karte.

6 Moderne Geldtheorie und Wechselkurssysteme

Bei einem festen Wechselkurs verspricht ein Staat seine eigene Währung in eine Fremdwährung nach festem Umrechnungssatz umzutauschen. Um das Versprechen einzuhalten, muss er eine Reserve an dieser Fremdwährung vorhalten. Bei hoher Nachfrage nach der Fremdwährung muss der Staat zu unangenehmen Maßnahmen greifen (Auslandsverschuldung, eigene Wirtschaft Deflationieren, oder eigene Währung abwerten und so das Wechselkursversprechen brechen) um die Reserve zu erhalten. Solche Staaten haben dadurch einen verringerten innenpolitischen Handlungsspielraum, die erforderlichen Maßnahmen könnten andern Zielen (z.b. Vollbeschäftigung, Preisstabilität) zuwider laufen.

Länder mit Exportüberschüssen kommen gut an Devisenreserven: Firmen können ihre Erlöse in ausländischer Währung für Inlandskäufe in eigener Währung nutzen. Die eigene Zeltralbank nimmt dabei die Fremdwährung entgegen, mit der sie dann typischerweise Staatsanleihen des Fremdlands kuaft, um Zinsen zu erhalten.

Feste Wechselkurse geben Vertragspartnern Sicherheit, allerdings nur solange die Wechselkursbindung aufrechterhalten wird. Das kann jedoch nicht mit Sicherheit gewährleistet werden (George Soros verdiente angeblich eine Mrd US-Dollar durch eine Wette auf Kursbindungsaufgabe des britischen Pfund). Auch feste Kurssysteme sind Ziele spekulativer Angriffe. Wenn eine fester Wechselkursbindung gebrochen wird, führt das häufig zu einer Währungskrise.

6.3/6.4 Warengeldmünzen? Metallismus versus Nominalismus

Das “modern” in MMT bezieht sich auf das Geld, nicht auf die Theorie. Modernes Geld ist staatliches Geld, seit mind. 4000 Jahren beginnend in Mesopotamien. Die Abschnitte enthalten interessantes Historisches, Über Griecen und Römer, über Kerbhölzer, Goldmünzen, Gresham’sches Gesetz.

Eurozone

Konstruktionsfehler des Euro:

Die Euroländer haben ihre Währungssouveränität aufgegeben: Der Euro ist als Fremdwährung zu sehen, ein Staat kann nicht mehr souverän Geld schöpfen. Geldpolitik wird von der unabhängigen EZB gemacht, die nicht direkt Geld für die Mitgliedsstaaten schöpfen darf. Die Staaten haben ihre eigene Fiskalpolitik. Es gibt keinen europäischen Souverän, der zentrale Geld- und verteilte Fiskalpolitiken im Einklang bringen könnte. Das EU-Parlament hat am BIP gemessen einen minimalen Haushalt.

Die Länder der Eurozone driften ökonomisch weit auseinander. Treiber ist insbesondere Deutschlands Strategie, mittels Niedriglöhnen hohe Exportüberschüsse zu erzielen. Die Leistungsbilanz der Eurozone gegenüber den Rest der Welt ist inetwa ausgeglichen, sodass innerhalb der Eurozone dauernde Überschüsse einiger Länder zwangsläufig Defizite anderer Länder bedeuten. Diese erfüllen dann die Maastricht Kriterien nicht und bekommen Zahlungsprobleme. Ratings verschlechtern sich, Zinsen für ihre Staatsanleihen erhöhen sich, eine negative Spirale durch die Finanzmärkte setzt ein. Das Mittel der Abwertung eigener Währung fehlt diesen Ländern (das ist der Unterschied zu Japan, das trotz viel höherer Staatsverschuldung derartige Probleme nicht kennt). Folge ist gegenseitiges Fingerpointing zwischen den Staaten, und harte auferzwungende Austeritätspolitik der verschuldeten Staaten, mit einhergehender Degradation von Lebensstandard und -Chancen (Arbeitslosigkeit, auch von Jugendlichen).

Die Eurozone ist so konstruiert, dass eine Politik ausgeglichener Staatshaushalte erzwungen werden soll. Die Nebenwirkungen scheinen nicht berücksichtigt.

Ein Lösungsansatz aus MMT Perspektive wäre es, auch die Fiskalpolitik der Eurozone stärker zu zentralisieren (europäisches Finanzamt) und europäische Fiskal- und Geldpolitik aufeinander abgestimmt einzusetzen. Gleichzeitig müssen effektive Ausgleichmechanismen für die Staaten mit unterschiedlicher Wirtschaftsleistung eingerichtet werden. Das wäre dann ähnlich wie in den USA mit ihren Bundesstaaten. Die FED ist ein Geschöpf des Kongresses und wird daher staatlich politisch kontrolliert.

7 Geld- und Fiskalpolitik für souveräne Währungen: Was sollte die Regierung tun

7.1

Legitime Gründe für Begrenzung Staatsausgaben, mögliche Risiken: Inflation, Wechselkursdruck, Mitteldefizit Privatwirtschaft, Anti-Anreizung Privatwirtschaft. Außerdem sind Budgets Ziel- und Bewertungsgrößen staatlicher Projekte, d.h. sinnvolle Beschränkungen mit Rechenschaftspflichten, um Kursabweichungen zu erkennen - und auch zu vermeiden.

7.2

Die Begriffe “Freier Markt” und “unsichtbare Hand” sind theoretische Konstrukte, die keine Relevanz für die Realität haben.

Leitmotiv des Wirtschaftens, der “öffentliche Zweck”:

Erstens ist der öffentliche Zweck breit gefächert und in Entwicklung begriffen, und aus diesen Gründen variiert er je nach Zeit und Ort. Der öffentliche Zweck ist von Natur aus ein progressives (liberales im US-amerikanischen Sinne) Programm, das danach strebt, das materielle, soziale, physische, kulturelle und psychologische Wohlergehen aller Mitglieder der Gesellschaft kontinuierlich zu verbessern. Er „strebt“ von Natur aus weiter in dem Sinne, dass er nie erreicht sein wird und sich die Grenzen des öffentlichen Zweckes ständig erweitern werden.

7.3 Functional Finance

Functional finance ist ein politischer Ansatz, in den 1940er von Abba Lerner entwickelt, basierend auf der Erkenntnis, dass ein Staat durch seine währungssouveränität sowohl Vollbeschäftigung erreichen kann als auch das Zinsniveau kontrollieren kann. Zwei Prinzipien:

  1. Arbeitslosigkeit zu hoch (bzw. allgmeiner “zu geringes inländisches Einkommen”): Staat muss mehr ausgeben im Verhältnis zu den Steuern
  2. Inländischer Zins zu hoch: Staat muss mehr Bankreserven bereitstellen

Bedeutet weder, dass der Staat unbegrenzt ausgeben sollte, noch dass es keine Seiteneffekte gäbe (z. b. auf den Wechselkurs). Aber diese wichtigen ökonomischen Zielgrößen kann der souveräne Staat kontrollieren.

Lerner lehnte das Konzept der „gesunden Finanzen“ ab, also die Auffassung, dass der Staat seine Finanzen wie ein Privathaushalt oder ein Unternehmen verwalten sollte. Er sah keinen Grund, warum die Regierung versuchen sollte, ihren Haushalt jährlich, im Laufe eines Konjunkturzyklus oder überhaupt jemals auszugleichen. Für Lerner sind „solide“ Finanzen (Haushaltsausgleich) nicht „funktional“; sie tragen nicht zur Erreichung des öffentlichen Zweckes bei (einschließlich zum Beispiel Vollbeschäftigung).

Milton Friedmann vertrat 1948 in seinem Artikel “A Monetary and Fiscal Framework for Economic Stability” eine sher ähnliche Position.

In Friedmans Vorschlag würde die Größe der Regierung durch das bestimmt, was die Bevölkerung von der Regierung erwartet. Die Steuersätze würden dann so festgelegt, dass der Haushalt nur bei Vollbeschäftigung ausgeglichen ist.

Später bewegte er sich Friedmann in Richtung der Spaltung von Geld- und Fiskalpoltik. Diese Dichotomie wird in den Lehrbüchern mit dem IS-LM Modell gelehrt.

7.4 Funktionale Finanzen versus staatliche Haushaltsbeschränkungen

So behauptete Präsident Obama während seiner Amtszeit etwa zu verschiedenen Gelegenheiten, dass der US-Regierung „das Geld ausgeht“ wie einem Privathaushalt, der sein gesamtes Erspartes in der Keksdose ausgegeben hat.

Wie sind wir also zu diesem Punkt gekommen? Wie konnten wir vergessen, was Lerner und Friedman klar verstanden haben?

Die Vereinigten Staaten (und viele andere Länder) sahen sich von den späten 1960er-Jahren bis in die 1990er-Jahre (zumindest zeitweise) tatsächlich Inflationsdruck ausgesetzt. Diejenigen, die glaubten, die Inflation sei auf zu hohe Staatsausgaben zurückzuführen, trugen dazu bei, die „Religion des ausgeglichenen Haushalts“ (siehe den Einschub zu Paul Samuelsons Ansicht) zu schaffen, um die Inflation zu bekämpfen. Das Problem ist, dass das, was von Wirtschaftswissenschaftlern und politischen Entscheidungsträgern zunächst als „Mythos“ erkannt wurde, schließlich als Wahrheit angesehen wurde. Es entwickelte sich ein falsches Verständnis.

Interessant auch der Einschub am Ende 7.4 mit Paul Samuelson, Ben Bernanke, Alan Greenspan: Staatliches Geld kann unbegrenzt geschöpft werden durch Tastenanschläge, es handelt sich nicht um Steuergeld. Diese Ansicht ist Aberglaube, ein Mythos mit der Funktion den gesetzlichen Vertreter eine künstliche Haushaltsbeschränkung aufzuerlegen. Gut gemeint.

7.5 Die Debatte über Schuldengrenzen (Fall USA)

Es werden drei Verfahren genannt, wie die US Amerikanische Schuldengrenzen umgangen werden können - zur Demonstration wie widersinnig diese eigentlich ist. Ein durch demokratische Verfahren (zwischen Kongress und Präsidenten) legitimierter Haushalt wird durch Erreichen einer willkürlichen Grenze automatisch gekappt - absurd.

7.6 Ein haushaltspolitischer Kurs für wirtschaftliche Stabilität und Wachstum

Der größte volatile Posten der Privatwirtschaft sind die Investitionen. Der Staatshaushalt sollte nach Minsky inetwa so groß sein wie diese privatwirtschaftlichen Schwankungen. So kann er in Rezessionszeiten ausreichend mit Ausgaben gegensteuern (automatische Transferzahlungen und auch staatliche Investitionen). In florierenden Zeiten dann mit anderen automatischen Stabilisatoren (progressiven Einkommens- und Umsatzsteuern) gegen Überhitzung dämpfen.

Ein dauerhaftes Defizit ist für den Staat (als Währungsemmittent) wesentlich nachhaltiger als für den Privatsektor (als Währungsnutzer). Der Haushaltsüberschuss in der Clinton-Ära war kein Grund zu feiern sondern ein Puzzlestück der sich anbahnenden großen globalen Finanzkrise ab 2007.

Ein Staat mit dauerhaft hohen Leistungsbilanzüberschüssen kann am ehesten mit einem schlankem Haushalt auskommen, ohne den Privatsektor zu schwächen. Dies als Strategie ist weder sinnvoll noch für alle Staaten möglich - die Summe aller Leistungsbilanzen über alle Staaten ist Null.

7.9 Exporte sind Kosten, Importe sind Nutzen: Ein funktionaler Ansatz

Importe sind Nutzbringend, sie versorgen die heimische Wirtschaft mit Produkten und Dienstleistungen, die auf Kosten ausländischer realer Ressourcen produziert werden. Mit Exporten ist es genau andersrum, sie binden Ressourcen der heimischen Wirtschaft und befriediegen ausländische Bedürfnisse.

Ein sinnvoller funktionaler Ansatz hinsichtlich Leistungsbilanz sähe so aus:

Stattdessen ist es am besten, im Inland Vollbeschäftigung anzustreben sowie die Leistungsbilanz und den Haushalt auszugleichen. Das ist weitaus besser als die übliche Strategie, die darin besteht, einen Handelsüberschuss anzustreben, um Vollbeschäftigung zu erreichen

8 Politik für Vollbeschäftigung und Preisstabilität

8.1 Funktionale Finanzen und Vollbeschäftigung

JG/ELR Programme: “Jobgarantie“ (JG) oder “employer of last resort” (ELR, Begriff in den 1960ern von Hyman Minsky geprägt) Programme wurden in den 1930er Jahren erstmals vorgeschlagen

  • Idee: Jeder der arbeiten will kann zu einem einheitlichem Grundlohn (würdiger Niegriglohn) einfache Arbeit vom Staat bekommen - Staat ist der Arbeitgeber der letzten Instanz
  • Kosten: Argentiniens JG/ELR Programm Jefes kostete bis zu 1% des BIP. Dadurch wurden jedoch viele Sozialausgaben gespart.
  • JG/ELR wirkt als starker makroökonomischer Stabilisator: Antizyklisch ist JG/ELR breit in der Rezession, schlank im Boom. Grundlohn verringert Deflationsdruck in Rezession. Ebneso Inflationsdruck im Boom (durch einen Marktmechanismus: Pool der arbeitsfähigen und -willigen ist durch die “JG/ELR Reservearmee” groß).
  • JG/ELR erreicht Vollbeschäftigung und fördert Preisstabilität (wenn richtig implementiert)
  • Armut wird effektiv bekämpft. Häßliche psychosoziale Effekte von Arbeitslosigkeit auch.
  • Diskriminierung (Rasse und Geschlecht) wird gedämpft. Dr. Luther Martin King, Jr. war in den 1960ern starker Befürworter
  • JG/ELR setzt Mindeststandards für Arbeitsbedingungen der Privatwirtschaft
  • JG/ELR setzt effektiven Mindestlohn. Lohn-Preis-Spiralen werden unterbunden.
  • JG/ELR kann als eine Art Pufferlagerprogramm für Arbeit verstanden werde, analog dem australischen Wollpreisstabilisierungsprogramm (das Wollpreise nicht in die Höhe treibt aber einen Mindestpreis garantiert)
  • Lohnkosten und damit auch Produktionskosten werden durch JG/ELR stabilisiert - damit auch ein Makroökonomischer Stabilisator
  • Wechselkurseffekte: Einkommen steigt, Handelsbilanz könnte sich durch mehr Importe verschieben so dass Währung abgewertet wird.

Arbeitslosigkeit und Armut werden als Kosten für die Aufrechterhaltung nicht nur einer niedrigen Inflation, sondern auch des Wertes der Währung angesehen. (Dies hängt mit dem Argument der „Phillips-Kurve“ zusammen: Wir brauchen viele Arbeitslose, um die Löhne und die Inflation in Schach zu halten.)

Das ist ethisch zweifelhaft. Das Gegenmodell der Politik der Vollbeschäftigung mittels JG/ELR ist dagegen ethisch einwandfrei und setzt einen Preisanker für Arbeit und auch einen (ebenfalls makroökonomisch stabilisierenden) Anker für den in- und ausländischen Wert der Währung. Bei Vollbeschäftigung gibt es aus MMT Perspektive keinen Grund Importe zu beschränken. Wenn die Regierung das jedoch will, dann stehen ihr die bekannten Instrumente zur Beeinflussung der Handelsbilanz (Kapitalverkehrskontrollen etc.) weiterhin zur Verfügung - ausgenommen der Erzwingung von Konsumzurückhaltung durch Armut und Arbeitslosigkeit.

8.2 JG/ELR für ein Entwicklungsland

Für nicht-währungssouveräne Entwicklungsländer besteht das Problem, dass ein beherztes JG/ELR Programm die Importe und damit die Staatsverschuldung in Fremdwährung ebenso beherzt steigen ließe. Inlandspreise würden steigen. Möglich wäre eine Währungskrise und infolge eine Wirtschaftskrise.

Anderes Vorgehen ist sinnvoll:

  • Klein anfangen (z.b. nur Haushaltsvorstände, Losverfahren etc.). Schrittweise Vergrößerung des Programms hilft erforderliche Lernerfahrung für Organisation und Verwaltung zu machen
  • Grundlohn nicht am formellen Sektor orientieren sondern eher auf Durchschnitt des informellen Sektors (Schattenwirtschaft) ansiedeln
  • JG/ELR könte auch grundbedürfnisnahe Güter/Dienstleistungen hervorbringen und/oder damit die JG/ELR Arbeiter nichtmonetäre vergüten
  • Unvermeidbare Importe von Werkzeugen/Gütern für das Programm kann an Bedingungen gekoppelt werden, z.b. Exporterlöse oder internationale Hilfe
  • JG/ELR Output kann auch exportförderlich ausgerichtet werden, z.b. öffentliche Infrastrukturprojekte zur Senkung der Produktionskosten
8.3 Verwaltbarkeit des Programms
  • Zentral könnten Projekte und Gelder bewilligt werden, Anderes dann dezentralisiert vor Ort organisiert werden
  • Korruption: Präventive Maßnahmen, die Veruntreuungspotentiale unterbinden
    • Überweisung des Lohns direkt auf die Konten der Programmteilnehmer
    • Staatlicher Anteil an den Nichtlohnkosten im Verhältnis zu den Gesamtkosten auf ca. 25% begrenzen
    • Transparenz: Veröffentlichung von Teilnehmern und Zahlungen
    • Whistleblower Schutz (oder sogar Belohnung, wennauch nicht unproblematisch)
    • Privatwirtschaft und Profitorientierung vom JG/ELR Programms fernhalten
  • Lokalen Kontext analysieren: Durch Versuch- und Irrtum Experimente herausfinden was funktioniert

Es wird JG/ELR Projekte ohne gemeinwohlnützlichen Output geben, aber dies ist im Kontext zu bewerten

  • die Alternative “Arbeitslosigkeit” wäre noch größere soziale Verschwendung
  • auch viele private gewinnorientierte Unternehmungen scheitern

Mainstream-ökonomischer Irrtum:

Die Aufrechterhaltung eines großen Pools von Arbeitslosen wurde als notwendig erachtet, um die Löhne in Schach zu halten (dies ist die berühmte Idee der Phillips-Kurve). Keynes hatte diese Idee jedoch bereits als „wahnsinnig unwahrscheinlich“ zurückgewiesen.

8.4 JG/ELR und die Erfahrungen aus der Praxis

Nationales Bekenntnis zur Vollbeschäftigung kann in ähnliche Richtung wirken wie ein explizites JG/ELR Programm. Beispiele sind Schweden, Australien und USA New Deal.

Jüngere Beispiele für JG/ELR finden sich in Indien und Argentinien (Jefes y Jefas). Es wurden viele gute Erfahrungen gemacht. Indien ist JG/ELR Maßnahme für das Menschenrecht auf bezahlte Beschäftigung. Zitate zu Argentinien:

Viele Befürchtungen der Kritiker von direkten Arbeitsbeschaffungsprogrammen haben sich als falsch erwiesen. Die Schaffung von Arbeitsplätzen, selbst in großem Umfang und unter schwierigen Bedingungen, kann erfolgreich sein. Die Teilnehmer begrüßten die Möglichkeit, zu arbeiten, und betrachteten die Teilnahme als Ermutigung. Wie die Jefes-Erfahrung zeigt, kann ein solches Programm auf demokratische Weise umgesetzt werden. Dadurch wird die Beteiligung am politischen Prozess erhöht, und es gibt relativ wenige Fälle von Korruption und bürokratischer Verschwendung. Es können nützliche Projekte durchgeführt werden. Selbst mit einem riesigen Programm, das fünf Prozent der Bevölkerung beschäftigte, waren die Gemeinden in der Lage, nützliche Arbeit für die Teilnehmer zu finden. Jefes verringerte die sozialen Unruhen und sorgte für eine Nachfrage nach privatwirtschaftlichen Produkten.

und

Einer der argentinischen Organisatoren drückte es so aus: „Die Menschen, die die Antworten kennen, sind diejenigen, die in Not sind, diejenigen, die Hunger leiden. Wenn Sie Ihre Politik auf diese Menschen ausrichten, können Sie nichts falsch machen. Diese Regierung hat gute Arbeit geleistet; sie hat das Problem an der Wurzel gepackt … Sie hat nicht an der Spitze angesetzt, sondern direkt an der Basis“ (siehe Tcherneva und Wray 2005).

8.5 Die JG und die Ungleichheit

Entzauberung des Mythos Wirtschaftswachstum: Viele (Ökonomen, Politiker, Unternehmer, Kapitaleigner etc.) fordern es beständig als ökonomisches Allheilmittel ein, doch das ist empirisch (Piketty) kontrafaktisch: Wirtschaftswachstum lässt nicht alle Boote steigen, sondern in erster Linie die Schere zwischen Arm und Reich auseinander driften. Die reichen Eliten gewinnen immer, sowohl im Boom als auch in der Krise:

Während unsere Wirtschaft oft als „marktgesteuert“ bezeichnet wird, wird sie in Wirklichkeit durch Macht angetrieben. Jedem aufmerksamen Beobachter ist aufgefallen, dass die Macht der Mitglieder des obersten einen Prozents in der Nachkriegszeit unaufhaltsam zugenommen hat. Ihre Fähigkeit, einen immer größeren Teil der Wachstumsgewinne auf sich selbst zu verlagern, hat entsprechend zugenommen.

Die Grafik aus einer Publikation von Pavlina Tcherneva demonstriert das Auseinanderdriften von 1949-2012.

Wenn man Armut verringern will, muss, wie Hyman Minsky bereits in den 1960er-Jahren argumentierte, die Schaffung von Arbeitsplätzen ein zentraler Bestandteil des „Krieges gegen die Armut“ sein. Er sagte (richtig) voraus, dass der Kennedy-Johnson-Krieg gegen die Armut scheitern würde, weil er kein solches Programm enthielt. Außerdem argumentierte er, dass man die Einkommensverteilung allmählich nach unten verlagern müsse, sobald man allen, die arbeiten wollen, Arbeitsplätze zur Verfügung gestellt habe. Dies geschieht, indem man die Einkommenszuwächse an der Spitze eindämmt, während man die Löhne und Gehälter an der Basis schrittweise erhöht

Bessere Einkommensverteilung durch Vollbeschäftigung

Damit meinte Minsky, dass es notwendig ist, „knappe Vollbeschäftigung“ zu erreichen und aufrechtzuerhalten, die er wie folgt definierte: „[die Situation, die] besteht, wenn über einen breiten Querschnitt von Berufen, Branchen und Standorten die Arbeitgeber bei gleichbleibenden Löhnen und Gehältern lieber mehr Arbeitnehmer beschäftigen würden, als sie es tatsächlich tun … Die Erreichung und Aufrechterhaltung einer knappen Vollbeschäftigung könnte fast die gesamte Aufgabe der Beseitigung der Armut übernehmen.“

Wie die Arbeit von Tcherneva gezeigt hat, war dies auch die Position von Keynes, der die direkte Beschäftigung von Arbeitnehmern gegenüber der von den „Keynesianern“ der 1960er-Jahre favorisierten „Pump priming“-Politik bevorzugte. Wie Minsky erklärte, würde diese Politik die „bereits Wohlhabenden“ begünstigen. Die Arbeit von Tcherneva zeigt überzeugend, dass genau das das Ergebnis war.

8.6 Schlussfolgerungen zur Vollbeschäftigung

Einer der Gründe, warum Regierungen keine Vollbeschäftigung anstreben, ist, dass sie glauben, sie könnten es sich nicht leisten, alle Arbeitslosen einzustellen. Natürlich haben sie dafür noch andere Gründe, aber zumindest auf diesen können wir verzichten, wenn wir die Grundsätze der funktionalen Finanzierung verstehen. Weitere Einwände gegen das Streben nach Vollbeschäftigung sind mögliche Inflations- und Wechselkurseffekte. Es kann jedoch argumentiert werden, dass diese Auswirkungen durch die richtige Gestaltung eines Vollbeschäftigungsprogramms minimiert werden

8.7 MMT für Österreicher: Kann ein Libertärer die JG unterstützen?

JG kann zugeschnitten werden. Sie ist ist kein “Big Government / Big Brother” und funktioniert grundsätzlich auch mit einem schlanken Staat:

Wenn Sie einen großen Privatsektor und einen kleinen Staatssektor wollen, müssen Sie die Steuern und Staatsausgaben niedrig halten. Dadurch werden Ressourcen frei, die vom großen Privatsektor genutzt werden können. Aber Sie werden immer noch JG/ELR brauchen, um die Arbeitskräfte aufzufangen, die der private Sektor nicht vollständig beschäftigen kann. Wenn die Österreicher mit der Wirksamkeit privater Märkte richtigliegen, wird die JG/ELR immer klein sein

weiter

Es ist schlichtweg töricht, den privaten Sektor zu zwingen, das Problem der Arbeitslosigkeit zu lösen, das durch die Steuer der Regierung entstanden ist. Der private Sektor allein wird niemals dauerhaft für Vollbeschäftigung sorgen (und hat das auch nie getan). JG/ELR ist eine logische und historische Notwendigkeit zur Unterstützung des Privatsektors. Sie ist eine Ergänzung zur Beschäftigung im privaten Sektor, kein Ersatz dafür.

(Hinweis: “Arbeitslosigkeit” ist hier wohl im Sinne von “Arbeitssuchende, die keinen Job finden” gemint). Weiter

Wie kann man die Überzeugung, dass alle arbeiten sollten (so gut sie können) und einen Beitrag zur Gesellschaft leisten sollten, anstatt herumzuliegen und Sozialhilfe zu kassieren, als Sozialismus bezeichnen?

9 Inflation und Staatswährungen

MMT Bild zu Inflation und Hyperinflation. Argument, warum Vollbeschäftigung und Haushaltsdefizite nicht zwangsläufig zu Inflation führen

9.1 Inflation und der Verbraucherpreisindex
  • VPI ist grundsätzlich schwierig, da Warenkörbe sich ändern und schwer vergleichbar sind. 1990 gab es bspw. noch keine Smartphones
  • zusätzlich Baumolsche Kostenkrankheit: Sinfonieorchester ist nicht produktiver als vor 300 Jahren, Landwirtschaft hat dagegen enorme Produktivitätssteigerung erlebt.
    • Inflation als Preis für die Erhaltung der Kultur: Einkommen von Frisören, Künstlern, Lehrern, Ärzten usw. können angemessen mitgezogen werden
    • These dazu: Von Kostenkrankheit betroffene Sektoren haben wachsenden Anteil an Gesamtwirtschaftsleistung, das erklärt das Industrieländer auch Dienstleistungswirtschaften sind
    • These weiter: Der Staat übernimmt immer mehr dieser “kranken” Sektoren mit geringer Produktivität, daher wächst der Staatsanteil am BIP
  • Ökonomen können bei Inflationsraten unter 40% pro Jahr kaum signifikant negative ökonomische Auswirkungen feststellen. Schön ist das natürlich nicht und Poltik greift spätestens dann ein, wenn es zweistellig wird - typischeweise mit Sparprogrmmen
  • Für Inflation durch überhitzte Wirtschaft ist nach Functional Finance Ausgabenkürzung(=Sparprogramme, Austerität) oder Steuerehöhung passendes Rezept
  • Für Stagflation (Inflation bei Arbeitslosigkeit) seit den 1970er ist die (von Monetaristen verschriebene) Austerität jedoch unwirksam
  • Arbeiten von Rick Wolff: USA Reallöhne in den letzten Jahrzehnten konstant geblieben. Statt Preise konstant zu halten wird durch Privatverschuldung konsumiert - ein wesentlicher Faktor für die globale Finanzkrise ab 2007
  • Rohstoffe (inkl. Gold) sind nicht inflationssicher, eher spekulativ
  • Deflation birgt ggü Inflation ein höheres Schadenspotential

Eine gewisse Inflation ist wahrscheinlich sogar eine gute Sache. Keynes vertrat die Ansicht, dass das zur Förderung von Investitionen beiträgt, indem es die nominalen Erträge erhöht und die Bedienung von Schulden erleichtert.

9.2 Alternative Erklärungen für die Hyperinflation
  • Definition Hyperinflation nach Cagan: Inflationsrate von 50% und mehr pro Monat
  • Umlaufgeschwindigkeit (Indexierung) steigt, Preise und Löhne werden ständig erhöht, sogar täglich
  • Steuereinnahmen sind zeitverzögert, daher entstehen enorme Defizite (die symptomatisch und nicht ursächlich für Hyperinflation sind)
  • Populärste (=Monetaristische) Erklräung/Behauptung: Ursache ist zu viel Geld im Umlauf verursacht durch eine Regierung, die zuviel Geld druckt (um Defizite auszugleichen)
    • Konsequenz: Disziplinierung der Regierung durch Schuldenobergrenzen oder ähnliche Haushaltsregeln

MMT hat anderes Bild

  • “Gelddrucken” führt nicht zwangsläufig zu hoher Inflation oder Hyperinflation.
    • Evidenz: Die meisten Industrienationen haben in den letzten Jahrzehnten hohe Haushaltsdefizite aber keine hohe Inflation. Nicht mal hochverschuldete Staaten wie Japan, Vereinigte Staaten, Vereinigtes Königreich erleben oder erwarten hohe Inflation
    • Kapitel 9.5 Quantitative Lockerung
  • Hyperinflation (wie Weimarer Republik oder Simbabwe) sind sehr seltene Ereignisse mit sehr spezifischen Umständen, hier greift die monetaristische Erklärung zu viel zu kurz, siehe Kapitel 9.3 und 9.4
  • Einschränkungen der staatlichen Gelfschöpfung (bspw. Goldstandard mit 100% goldgedeckten Papiernoten) gab es immer wieder in der Historie, hat aber nie wirklich dauerhaft funktioniert (siehe Kapitel 6): Nieman hielt sich wirklich an die Regeln, spätestens in Krisen wurden die auferlegten Beschränkungen aufgehoben.

Der Goldstandard trug nicht zur Währungsstabilität bei, sondern destabilisierte die Wirtschaft.

  • Bretton Woods nach dem zweiten Weltkrieg war ein Pufferlagerprogramm für Gold und setzte damit ein Preisfenster fest. Es hielt nur etwa eine Generation, brach zusammen, was in Wirtschaftsturbulenzen mündete
  • allgemein: Bindung an Rohstoff oder Fremdwährung ist zwar effektiv gegen Inflation, hat inhärent aber dieses Krisenrisiko (externe Abhängigkeit, die nicht sicher garantiert werden kann).
    • Es gibt viele Beispiele dafür. Argentinien erlebte spekulativen Angriff auf seine Dollarreserven
    • Ursache: Haushaltsspielraum ist eingeschränkt. Ausreichend Devisen zu erwirtschaften ist schwierig, Wachstum wird eingeschränkt
    • Typische Konsequenz: Spielraum wird immer kleiner bis es nicht mehr geht
  • Es gibt keine Beispiele für Länder mit frei schwankenden Wechselkursen, die Hyperinfltion erlebten

Auch wenn es den Anschein hat, dass ein fester Wechselkurs Besonnenheit garantiert, so scheint dies doch ein Trugschluss zu sein. Der feste Wechselkurs führt Wechselkurskrisen und unfreiwillige Zahlungsausfälle als Möglichkeiten ein, in der frommen Hoffnung, dass die Regierung umsichtig handeln wird.

9.3 Hyperinflation in der realen Welt

Beispiel Amerikanische vor-revolutionäre Währungen “Continental” und “Konförderierte Währung”, bei denen keine währungsantreibende Steuern erhoben wurden.

Beispiel Weimarer Republik: Infolge des verlorenen ersten Weltkriegs hatte das Land zerstörte Produktionskapazitäten, die nicht für Binnennachfrage ausreichten und unbedienbare Auslandsschulden (Reparationszahlungen).

Dies bedeutete, dass die Regierung mit der Inlandsnachfrage um ein begrenztes Produktionsangebot konkurrierte, was die Preise in die Höhe trieb. Gleichzeitig mussten sich die inländischen Produzenten im Ausland (in ausländischer Währung) verschulden, um benötigte Importe zu kaufen. Steigende Preise und die Aufnahme von Krediten im Ausland führten zu einer Abwertung der heimischen Währung, was die notwendige Kreditaufnahme erhöhte (da ausländische Importe in heimischer Währung mehr kosteten) und gleichzeitig die Kosten der Reparationen in heimischer Währung erhöhte.

Aus den oben genannten Gründen wuchsen die Haushaltsdefizite aufgrund der hohen Inflation, die sich zu einer Hyperinflation ausweitete, rasch an, da die Steuereinnahmen nicht mit den steigenden Preisen Schritt halten konnten.

Beispie Simbabwe:

Das Land befand sich in einem gewaltigen sozialen und politischen Umbruch, die Arbeitslosigkeit lag bei 80 Prozent und das BIP war um 40 Prozent gesunken. Dies geschah nach einer umstrittenen Landreform, die die landwirtschaftlichen Betriebe aufteilte und zum Zusammenbruch der Nahrungsmittelproduktion führte. Die Regierung war auf Lebensmittelimporte und IWF-Kredite angewiesen – ein weiterer Fall von Auslandsverschuldung. Angesichts der Lebensmittelknappheit und des Wettbewerbs zwischen Regierung und Privatwirtschaft um das stark reduzierte Angebot wurden die Preise in die Höhe getrieben.

9.4 Schlussfolgerungen zu Hyperinflation

Hyperinflation ist selten, es bedarf sehr einschneidende Ereignisse wie die Analysen zeigen.

Eine straffere Finanzpolitik hätte dazu beitragen können, den Inflationsdruck zu verringern. Das hätte das allgemeine Leid wahrscheinlich nicht verringert, da eine häufige Ursache für Hyperinflation eine Art von Angebotsbeschränkung der Produktion ist. Aber die Lösung der Probleme erfordert nicht die Einführung eines Goldstandards. Um das Problem der hohen Inflation in den Griff zu bekommen, sollten die politischen Entscheidungsträger vielmehr versuchen, die Indexierung zu verringern, die Produktion zu stabilisieren, die Nachfrage im Verhältnis zum Angebot zu senken und soziale Unruhen zu beenden. Wenn die hohe Inflation schon seit einiger Zeit anhält, hilft es auch, eine neue Währung einzuführen und Auslandsschulden nicht zu begleichen.

9.5 Quantitative Lockerung und Inflation

Ab 2012: Das QE (Quantitative Easing) Aufkaufprogramm im Rahmen der Nullzinspolitik (ZIRP) der FED führte dazu, dass die Banken ihre Assets auf Reserven umschichteten - es wurde sehr viel HPM (High powered money) Geld ins System inijiziert. Es kam entgegen der (monetaristischen) Prognosen nicht zu einer Inflation.

Das Programm wirkte anfangs konjunkturbelebend. Die Kehrseite: Das Einkommen der Verbraucher wurde deutlich geschmälert, Sparpläne gingen kaputt.

Wie wir im Falle Japans – das in den vergangenen zwei Jahrzehnten mit ZIRP experimentiert hat – gelernt haben, können extrem niedrige Zinssätze der Wirtschaft mehr Nachfrage entziehen, als sie ihr zuführen. Die Fed hat also die Bremse mit dem Gaspedal verwechselt: QE tritt auf die Bremse, aber die Fed glaubt, dass sie der Wirtschaft mehr Gas gibt. Das bedeutet nicht, dass es die falsche Politik ist – viele MMT-Befürworter befürworten ZIRP ständig –, aber es ist wichtig, zu verstehen, dass es die Konjunktur nicht anregt.

9.6 Fazit: MMT und Politik

Sehr guter zusammenfassender Abschnitt, könnte in Gänze zitiert werden…

Deskriptiver Teil der MMT:

In gewisser Hinsicht ist der MMT-Ansatz deskriptiv: Er erklärt, wie eine souveräne Währung unktioniert. Wenn wir von Staatsausgaben in Form von Tastenanschlägen sprechen und behaupten, dass dem Emittenten einer souveränen Währung die Anschläge nicht ausgehen können, dann ist das beschreibend. Wenn wir sagen, dass sich souveräne Regierungen ihre eigene Währung nicht leihen, ist das beschreibend. Unsere Einstufung von Anleiheverkäufen als Teil der Geldpolitik, damit die Zentralbank ihr Zinsziel erreichen kann, ist ebenfalls beschreibend. Und wenn wir schließlich argumentieren, dass ein frei schwankender Wechselkurs den größten innenpolitischen Spielraum bietet, so ist dies ebenfalls deskriptiv.

Präskriptiver Teil: Bei der Entwicklung der MMT waren die Ideen der Functional Finance mit normativem Ziel “Vollbeschäftigung” im Gepäck (Hinweis: Gegenprogramm zum heutigen ökonomischen Mainstream, der nicht auf Vollbeschäftigung zielt, sondern Arbeitslosigkeit als notwendig erachtet). Es ist umstritten ob er in MMT einbezogen sein soll. Lässt man ihn weg, dann kann die MMT als nüchterne Theorie benutzen, um Politiken mit völlig anderen Zielsetzungen zu entwerfen.

Grundlohn als Währungsanker (als Alternativ zu Goldbindung o.Ä.):

Außerdem sind wir der Meinung, dass eine souveräne Währung einen „Anker“ braucht, und durch die Festlegung des Grundlohns in einem JG-/ELR-Programm wird das Programm selbst zum Anker. Schließlich ist die Währung so viel wert, wie sie an Arbeitskräften beschäftigen kann. Wenn zum Beispiel der Lohn im JG-/ELR- Programm auf 15 US-Dollar pro Stunde festgelegt ist, wissen wir, dass man mit 15 US-Dollar eine Stunde Arbeit kaufen kann.

Stabilisierung der Wirtschaft und der Preise:

Ein Arbeitskräftepuffer ist für die Stabilisierung der Wirtschaft wirksamer als ein Goldpuffer, da Arbeit in die Produktion aller Waren und Dienstleistungen einfließt. Außerdem ist das Einkommen des Arbeitnehmers die wichtigste Quelle für die Nachfrage nach Konsumgütern der Endproduktion. Wenn wir also die Wirtschaft bei Vollbeschäftigung und mit einem relativ stabilen Lohn in unserem Beschäftigungsprogramm für die Pufferbestände betreiben, trägt dies nicht nur zur Stabilisierung der Konsumausgaben und des Haushaltseinkommens bei, sondern auch zur Stabilisierung der Löhne und damit der Preise.

Kohärenter Ansatz

Kelton argumentiert, dass das politische Rezept der MMT darin besteht, dass die Regierung Vollbeschäftigung anstreben sollte, ohne Inflation zu verursachen. Dafür hat bisher niemand ein besseres Programm entwickelt als JG/ELR. Daher können wir diesen politischen Vorschlag nicht von der Beschreibung trennen. In der Tat ist die MMT viel mehr als nur deskriptiv und präskriptiv. Sie bietet einen kohärenten Ansatz für das Verständnis unserer Wirtschaft als Ganzes. Sie bietet eine „Weltsicht“, die mit einem Verständnis der „Natur“ des Geldes beginnt.

10 Fazit: Moderne Geldtheorie für souveräne Währungen

10.1 Die MMT lag richtig: Die globale Finanzkrise

Die MMTler zeichneten bereits viele Jahre vor Ausbruch das Bild der heranziehenden Finanzkrise. Ein Bild das die Mainstream Ökonomie mit ihren Marktgleichgewichtsstabilitätsmodellen nicht sehen konnten.

Auf unseren jährlichen Minsky-Konferenzen am Levy Institute haben wir zunehmend düstere Prognosen abgegeben. Ökonomen der Fed hielten auf denselben Konferenzen Vorträge, in denen sie den Pessimismus zurückwiesen und argumentierten, dass es keine Immobilienblase und keine Gefahr gebe – und das sogar noch im Frühjahr 2007!

10.2 Die MMT lag richtig: Die Eurokrise

Interessante Ausführung. Im Kern macht die Trennung von Fiskal- und Geldpolitik auf verschiedene Ebenen die Eurostaaten abhängig von der EZB und nehmen ihnen politischen Handlungsraum. Jeder Staat ist gezwungen seinen Vorteil gegenüber den Nachbarn durchzusetzen, das ist das Gegenteil der europäischen Idee als gemeinsames Friedensprojekt.

10.3 Kreationismus versus Erlösungsdenken: Wie ein Geldemittend wirklich Geld verleiht und ausgibt

Ganz klar: Erst kommt Gelderzeugung als Schuldversprechen (Rücknahmeversprechen) des Emittenten, später bei Einlösung wird die Schuld gelöscht.

10.4 Wachsende Anerkennung der Notwendigkeit von Arbeitsplatzgarantien

Investitionsentscheidungen werden getroffen, wenn Aussicht auf Profit besteht. Ohne diese Aussicht bleiben Zinssetzungen oder Steuersenkungen (in der Breite) wirkungslos.

Beobachtbare Stagnation des modernen Kapitalismus, nützliche Erkenntnisse dazu von Harold Vatter und John Walker:

Kurz gesagt besteht das Problem darin, dass das Kapital produktiver ist als ihm guttut. Die produktionssteigernden Eigenschaften von Investitionen übersteigen ihre Multiplikatoreffekte auf die Gesamtnachfrage

Ebenso eine beobachtbare “neue Normalität” auf den Arbeitsmärkten

Es kommt also zu einer Stagnation, die von Blasen unterbrochen wird, die das Wirtschaftswachstum vorübergehend ankurbeln, nur um dann von Finanzkrisen und Rezessionen durchbrochen zu werden. Die Folge für die Arbeitnehmer ist Arbeitslosigkeit. Sogar die durch die Blasen angeheizten „Aufschwünge“ schaffen nur sehr wenige Arbeitsplätze.

Das MMT Gegenrezept heißt Arbeitsplatzgarantie:

Das Rezept für die Wiederherstellung des Wohlstands ist die Schaffung von Arbeitsplätzen und die Erhöhung der Löhne im unteren Bereich, damit der Absatz an die Verbraucher steigt. Wir wollen uns nicht auf einen weiteren schuldengetriebenen Konsumboom verlassen. Wir können uns nicht auf die Investitionen verlassen, denn selbst in dem unwahrscheinlichen Fall, dass Vertrauensfeen die Unternehmen davon überzeugen könnten, mehr zu investieren, würde der Multiplikatoreffekt auf die Gesamtnachfrage bald von der Tatsache übertroffen werden, dass der Effekt der höheren Produktionskapazität auf das Gesamtangebot das Nachfragewachstum übersteigen würde. In jedem Fall geht privatwirtschaftlich betriebenen Expansionen die Luft aus, und sie enden häufig in einer Finanzkrise, weil sich Schulden auftürmen.

10.5 MMT und externe Zwänge: Fixieren oder floaten, das ist hier die Frage

Für wirtschaftsstarke Länder ist ein freier Wechselkurs immer besser. Für Entwicklungsländer ist die Einschätzung weniger klar aus der MMT Brille, durch Kursbindung wird Inflation schließlich effektiv unterbunden. Dadurch dass mehrere Nachteile (insb. Insolvenzrisiko) damit einhergehen kann freier Wechselkurs trotzdem vorteilhaft sein - die externe Inflation (importierte Güter werden teurer) bei Währungsabwertung kann speziell behandelt werden:

Vielleicht ist es besser, die Währung zu floaten und sich dann mit der durchgereichten Inflation zu befassen, und es ist sinnvoll, den „Schmerz“ der Inflationsbekämpfung so weit wie möglich den Reichen aufzubürden. Schließlich sind sie es, die die BMWs importieren und die Kinder nach Florida bringen

Beispiel für so eine Behandlung ist ein vorüberhgehendes Verbot des Imports von Luxusgütern. Wenn aus Sicht der Exporteure der wegfallende Markt bedeutend genug ist, so können deren Zentralbanken den Kursverfall mit “Liquiditätsoperationen” entgegenwirken.

10.6 Eim Mem für Geld

Die Art und Weise, wie ein MMTler an die derzeitige Defizit-Hysterie herangeht, besteht also darin, dass er darauf hinweist, dass sich die Bundesregierung alles, was in Dollar zu kaufen ist, leisten kann, da sie das Geld auf Tastendruck ausgibt. Die Reaktion verläuft in der Regel in vier Phasen:

  1. Unglaube: Das ist verrückt!
  2. Furcht: Simbabwe! Weimar!
  3. Moralische Entrüstung: Sie würden unsere Wirtschaft zerstören!
  4. Zorn: Du bist ein dreckiger, kommunistischer Linksfaschist!

Und das sind unsere progressiven Freunde. Anstatt die Debatte über die Nachhaltigkeit von Schulden und Defiziten zu gewinnen, verliert die MMT die Diskussion.

Die MMT hat ein Kommunikationsproblem. Es braucht griffige Bilder und ein positives Framing.

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