Wer wählt die AfD?
Eine umfangreiche Datenanalyse der ZEIT gibt Antworten. Titelthema der Zeit No. 13/2024, Seite 11. Autoren: Sasan Abdi-Herrle und Christian Endt.
Quelle
| Format | Veröffentlichung | Link |
|---|---|---|
| Artikel | 2024 | https://www.zeit.de/2024/13/wahlverhalten-afd-waehler-demografie-daten |
Wahrgenommen von Heinrichsgeist: 2024. Zitate auf dieser Seite beziehen sich auf diese Quelle, sofern nicht anders gekennzeichnet (Zitationszweck: Anschauliche Hervorhebung ausgewählter Passagen).
Interessant
Basis ist eine Auswertung der ZEIT von Daten der Deutschen Gesellschaft für Wahlforschung und des Leibniz-Instituts für Sozialwissenschaften. Seit 2016 wurden halbjährlich 10.000 Menschen zu ihrer politischen Meinung befragt.
Für die AfD Wählerschaft ergab die Auswertung diese Merkmale
- Geschlechter : Fast im Gleichwicht (44% weiblich)
- Selbstverständnis: die Meisten verstehen sich nicht als rechts
- Politische Herkunft: Etwa die Hälfte waren vor zwei Jahren noch bei Union/SPD/FDP (zu gleichen Teilen). Wenige sind auch von Linken gekommen, von den Grünen aber fast Niemand
- Eigene ökonomische Lage: Wird schwieriger wahrgenommen als bei nicht AfD-Anhängern, Abstiegsangst. Die meisten AfD-Anhänger haben geringeres Einkommen als der Durschnitt.
- Bildung: Alle Abschlüsse sind vertreten, die Verteilung unterscheidet sich nur leicht von der der nicht AfD-Wähler. Es gibt einen geringeren Abituranteil (18% versus 30%), dafür relativ mehr Haupt- und Realschulabschlüsse
- Alter: Verteilung sehr ähnlich wie bei den nicht AfD-Wählern, geringerer Anteil 60+, dafür höherer Anteil bei den 50-59 Jährigen
- Wohnort: Fast gleichverteilt auf Großstädte, Kleinstädte und Land.
- Bundesländer: Fast kein Ost/West-Unterschied mehr
Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus den vorliegenden Daten ist also, dass es den typischen AfD-Wähler nicht wirklich gibt. Egal, wie man die Bevölkerung der Bundesrepublik in Gruppen aufteilt, ob nach Geschlecht, Alter, Einkommen, Bildungsstand, Wohnort - fast immer erricht die AfD zweistellige Ergebnisse. Sie ist zu einer Volkspartei geworden.
Häufige Einstellungen von AfD-Wählern:
- Hass auf Führungsriege etablierter Parteien, insbesondere der Grünen
- Ablehnung des Systems: 75% sind unzufrieden mit bestehender Demokratie
- Ich kann meine Meinung nicht frei äußern
- Meine Wertvorstellungen finden keine Beachtung
- Migration ist ein großes Problem
- Ich komme zu kurz
- Die Veränderungen der Welt bereiten mir Unbehagen
- Die Steuern müssen runter
- Der Sozialstaat als Teil des Systems muss schrumpfen
Letzter Punkt ist gegen die eigenen Interessen gerichtet. Dazu erklärt der Politikwissenschaftler Aiko Wagner
dass kulturelle Aspekte als Wahlmotiv an Bedeutung gewonnen hätten. Der Sozialstaat wird als Teil eines Systems wahrgenommen, das man ablehnt. Teile der Wählerschaft wünschten sich in eine Zeit ähnlich dem Kaiserreich zurück, sagt Wagner, als Disziplin und Ordnung eine zentrale Rolle spielten. Die Gesellschaft sollte so sein wie früher, «beziehungsweise so, wie man sich dieses Früher vorstellt».
