Grundzüge der Volkswirtschaftslehre
8. Auflage des »Mankiw«, des international führenden Lehrbuchs für Volkswirtschaftslehre
Quelle
| Format | Veröffentlichung | Link |
|---|---|---|
| Buch | 2021 | https://books.google.de/books/about/Grundz%C3%BCge_der_Volkswirtschaftslehre.html?id=EIksEAAAQBAJ&redir_esc=y |
Wahrgenommen von Heinrichsgeist: 2023. Zitate auf dieser Seite beziehen sich auf diese Quelle, sofern nicht anders gekennzeichnet (Zitationszweck: Anschauliche Hervorhebung ausgewählter Passagen).
Interessant
- Allgemein ein für mich sehr eingängiger Schreibstil.
- Anfang des Buchs (bis einschl. 2. Kapitel) wirkt defensiv rechtfertigend: Die Vorherrschaft der Neoklassik und ihrer Behauptungen ist nicht mehr unhinterfragbar selbstverständlich
Vorwort der deutschen Bearbeiter zur 8. Auflage
Die neue Auflage nimmt auch die immer wieder aufflammende Kritik an allzu stark vereinfachenden Vorstellungen eines kühl und rational kalkulierenden Homo oeconomicus auf, der die grundlegenden Modelle der neoklassischen Standardtheorie der Volkswirtschaftslehre prägt, und zwar zugunsten sogenannter heterodoxer Ansätze, denen nunmehr der gesamte Teil 8 des Lehrbuchs gewidmet wird. Einen viel höheren Stellenwert erhält dabei die mittlerweile mit mehreren Nobelpreisen ausgezeichnete Informations- und Verhaltensökonomik.
1.1 Die Wirtschaft und die Wirtschaftsordnung
Definition: Das ökonomische Problem
Es gibt drei Grundfragen, die sich jede Gesellschaft stellen muss:
- Welche Waren und Dienstleistungen sollen produziert werden?
- Wie viel soll von diesen Waren und Dienstleistungen produziert werden?
- Wer soll die produzierten Waren und Dienstleistungen erhalten?
1.3 Wie Menschen zusammenwirken
Marktwirtschaft
Die drei Grundfragen des ökonomischen Problems werden durch dezentralisierte Entscheidungen vieler Unternehmen und Haushalte beantwortet, die auf Märkten in Bezug auf Waren und Dienstleistungen miteinander interagieren.
Externalitäten (Kosten für Dritte) oder Marktmacht von Einzelnen/Wenigen können zu Marktversagen führen
Wenn Märkte Ressourcen zuteilen, können ihre Ergebnisse immer noch ineffizient sein. Volkswirte verwenden hierfür den Begriff Marktversagen, um Situationen zu bezeichnen, in denen der Markt allein nicht in der Lage ist, eine effiziente Ressourcenallokation hervorzubringen.
Aus der Infobox Die unsichtbare Hand des Marktes
Der Begriff »unsichtbare Hand« wird in der Volkswirtschaftslehre häufig dazu verwendet, zu beschreiben, wie Marktwirtschaften knappe Ressourcen zuteilen. Doch verwendete Adam Smith diese Bezeichnung in seinem Wealth of Nations nur ein einziges Mal. Der Ausdruck kam auch in seinem früheren Buch A Theory of Moral Sentiments vor. In beiden Fällen beschrieb Smith damit die Idee, dass die Handlungen eigeninteressierter Individuen gesellschaftlich wünschenswerte Ergebnisse hervorbringen können.
In seiner »Theorie der ethischen Gefühle« verwendet er den Ausdruck, um zu zeigen, wie der Wunsch des Menschen nach Luxus dazu führen kann, Beschäftigung für andere zu schaffen, und in The Wealth of Nations findet sich der Ausdruck im Zusammenhang mit Investitionsentscheidungen. Beides mag ähnlich klingen, aber im ersten Fall ging es Smith, wie es scheint, um die politische Philosophie der Wirtschaftsordnung, über die er schrieb – ein System, das in vieler Hinsicht sehr verschieden ist von dem, was wir heute erleben.
1.4 Wie die Volkswirtschaft insgesamt funktioniert
Weil hohe Inflationsraten einer Gesellschaft Kosten aufbürden, ist es ein weltweites Ziel aller Staaten, die Inflationsrate niedrig zu halten. Was verursacht eine Inflation? In den meisten Fällen hoher und anhaltender Inflation lässt sich ein und derselbe Schuldige finden: das Geldmengenwachstum. Wenn ein Staat oder eine Zentralbank die Geldmenge stark ausweitet, sinkt der Geldwert. Als sich in den frühen 1920er-Jahren in Deutschland sämtliche Preise im Durchschnitt monatlich verdreifachten, verdreifachte sich auch die Geldmenge. Es gilt gemeinhin als anerkannt, dass der Anstieg der Geldmenge und der Anstieg der Preise zusammenhängen.
2.1 Ökonomische Methodologie
Kontrollierte Experimente wie in den Naturwissenschaften sind nicht möglich
Die Volkswirtschaftslehre ist eine »Sozialwissenschaft«, weil sie sich mit Menschen als Individuum und in Gruppen befasst
Im Kontext Wertvorstellungen in Modellen
Aus einem Klimamodell könnte man zum Beispiel den politischen Vorschlag herleiten, dass in den nächsten zehn Jahren erhebliche Maßnahmen zur Senkung der Kohlendioxidemissionen ergriffen werden müssen, um die daraus resultierenden Kosten zu vermeiden, die unsere Kinder und Enkelkinder zu tragen haben werden. Es magdann jedoch Leute geben, die uneins darüber sind, ob die Kosten der gegenwärtig erforderlichen Opfer durch die Nutzen aufgewogen werden, die in 50 bis 100 Jahren auftreten werden.
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Die Erklärungskraft von Modellen hängt davon ab, wie gut sie konstruiert sind. Wenn sie zu stark vereinfachen oder ihre Annahmen in der realen Welt nicht nachvollziehbar beobachtet werden können, dann verlieren sie ihre Erklärungskraft.
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Induktive Argumentation. Induktive Argumentation beginnt mit Daten und Beobachtungen, die zu untersuchen sind. Aus dieser Analyse werden Muster identifiziert, beispielsweise Verhaltensmuster. Diese Muster erzeugen eine Frage oder eine Hypothese, die das beobachtete Verhalten oder Muster erklärt. Diese Erklärung oder Schlussfolgerung wird dann auf alle anderen vorkommenden Phänomene angewandt. Dies wird als Verallgemeinerung bezeichnet. Mit der Verallgemeinerung bietet der Forscher eine Theorie oder Erklärung von Ereignissen und Phänomenen an, die dann getestet werden kann.
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Die induktive Argumentation ist also empirischer Natur; sie bezieht sich auf anschauliche Nachweise, um Theorien zu bewähren oder abzulehnen. Aus diesem Grund wird die induktive Argumentation als ein Maßstab für die Entwicklung von Wissen und Verständnis angesehen.
Kontext Experimente, zwei Spielarten
- Laborexperimente. Beispiel ist Laborerkenntnis des Endowment Effect (durch Kahneman, Tversky, Thaler und Sunstein)
- Natürliche Experimente, mehrere Beispiele zu bedingungslosen Grundeinkommen in den 2010er Jahren
Die Volkswirtschaftslehre ist eher eine Methode, sich Problemen und Fragen zu nähern, als eine Abfolge endgültiger Wahrheiten. Die Debatte darüber, wie Volkswirte Dinge erkennen und Theorien und Modelle präsentieren, die den Anspruch erheben, Vorhersagen zu generieren, ist eine Debatte, welche die Disziplin nach wie vor durchdringt.
Die Cambridge-Ökonomin Joan Robinson fing diese Debatte wohl ziemlich gut ein, indem sie schrieb, die Volkswirtschaftslehre »humpelt mit einem Fuß in ungeprüften Hypothesen herum und mit dem anderen in unüberprüfbaren Slogans … Unsere Aufgabe ist es, diese Mischung aus Ideologie und Wissenschaft so gut wie möglich aufzulösen« (Joan Robinson, Economic Philosophy, Pelican 1968).
2.2 Theorieschulen
- Neoklassik (Mainstream): Zentral sind Märkte mit rational entscheidenden Akteuren, die unter Beschrännkungen nach ihren Interessen etwas zu minimieren oder maximieren versuchen
- Feministisch: Ein wesentlicher Teil des Wohlstands wird durch unbezahlte (Care-)Arbeit erzeugt. Die Neoklassik ignoriert das und hat damit eine große Lücke, außerdem wertet sie dadurch unbezahlte Arbeit ab (unangemessenes Werturteil)
- Marxistisch: Analyse von Produktion. Menschen und Unternehmen werden (differenzierter als im Mainstream) als Ansammlungen von Menschen gesehen. Kapitalisten üben ökonomische Macht aus, versuchen Macht über Produktionsmittel zu halten. Wettbewerb der Kapitalisten entfaltet selbstzerstörerische Dynamik, dies ist eine Erklärung für Konjunkturzyklen
- Österreichische Schule: Freie Märkte (»Laissez-faire«) und schlanker Staat führen zu Wohlstand. Grundprinzip ist individuelle Freiheit. Ablehnung mathematischer Modelle, auch wenig ökonomische Empirie (Kritikimmunisierung?). Konjunkturzyklus angebotsgetrieben (Geringe Zinssätze > Angebotsüberschuss > Rezession > Inflation). Inflation als Symptom von unbalacierten Finanzen
3.1 Die Annahmen des Marktmodells
Sowohl Käufer als auch Verkäufer haben vollkommene Information und treffen so ihre Entscheidungen komplett unabhängig voneinander. Das bedeutet, dass es keinen Bedarf an Werbung oder Markenbildung gibt und dass sowohl die Produzenten als auch die Konsumenten alle Kosten und Nutzen berücksichtigen, inklusive jener sogenannten externen Kosten und Nutzen, die durch ihre Entscheidungen für eine dritte Partei anfallen. Beispielsweise werden die Produzenten auch die Kosten in Rechnung ziehen, die aufgrund von Umweltverschmutzung für die Gesellschaft anfallen.
3.4 Angebot und Nachfrage zusammen
Ein höherer Preis ist erforderlich, um die zusätzlichen Kosten auszugleichen und es dem Produzenten zu ermöglichen, aus dem Risiko, das er mit der Produktion eingeht, einen gewissen Gewinn zu erzielen. Diese Belohnung wird als Gewinn bezeichnet
