Jung & Naiv #692 - Friedhelm Taube
Agrarexperte Friedhelm Taube über die Zukunft der Landwirtschaft
Quelle
| Format | Veröffentlichung | Link |
|---|---|---|
| Podcast, Interview | 2024 | https://jung-naiv.podigee.io/943-692-agrarokonom-friedhelm-taube-uber-die-zukunft-der-landwirtschaft |
Wahrgenommen von Heinrichsgeist: 2024. Zitate auf dieser Seite beziehen sich auf diese Quelle, sofern nicht anders gekennzeichnet (Zitationszweck: Anschauliche Hervorhebung ausgewählter Passagen).
Interessant
Allgemein
Friedhelm Taube lässt sich an vielen Stellen nicht auf Tilos Argumentationslinien ein und liefert nachvollziehbare Begründungen dafür.
Systemische Probleme
Friedhelm Taube benennt grundsätzliche und strukturelle Probleme im Landwirtschaftssystem. Er ist der Ansicht, dass auch kleine und mittlere Landwirtschaftsbetriebe erfolgreich sein können, wenn sie gut geführt werden.
Auch das Bild, dass kleine Betrieb per se besser sind hält er für falsch: Es gibt große Betriebe die ordentlich mit Tieren umgehen, und es gibt auch kleine Betriebe, die schlecht mit ihren Tieren umgehn.
Bauernverband und Bauernproteste
Den aktuellen Bauernprotesten steht Friedhelm Taube kritisch gegenüber, er benennt einige Schwächen in den Argumenten der Bauern. Die Bauern müssten anerkennen, dass es einen Strukturwandel gibt und sich Dinge ändern. Als Beispiel nennt er Steuerberater und Zahnärzte, die konnten vor zehn Jahren als Einzelunternehmer gut leben, und heute ist das eben kaum noch möglich und die betroffenen Menschen müssen sich überlegen wo sie sich mit ihren Fähigkeiten woanders einbringen können.
Er ist der Ansicht, der Bauernverband setzt sich nicht für (sondern eher gegen) die Interessen der kleinen Landwirte ein, welche das aber nicht erkennen.
Persönliches Wirken
Er hat erfolgreich auf EU Ebene eine Änderung bei Düngemittel/Gewässer bewirkt.
Argentinisches Rindfleisch
Vorschlag: Rindfleisch statt Soja aus Argentinien importieren und auf deutsche Rindfleischproduktion verzichten: Sojaanbau führt zu Degradation argentinischer Böden, Rinderhaltung dagegen ist gut für den Erhalt argentinischer Graslandschaften und dort auch unter Tierwohl-Gesichtspunkten sehr gut machbar. Das Rindfleisch kann zu geringen (auch ökologischen) Kosten per Schiff transportiert werden und auf dieser Reise reifen. Auch geopolitisch hätte es Vorteile, denn die EU “mauert” aktuell und vergiftet damit das Verhälnis, China dagegen verhält sich ggü. Argentinien partnerschaftlicher.
Zusammenarbeit mit Tönnies
Friedhelm Taube wurde kürzlich von Tönnies zur Beratung bzgl. ökologischer Transformationsszenarien engagiert. Er hat damit hat er kein Problem, er sieht darin Chance etwas zu bewirken und sagt er würde konsequenterweise aussteigen, falls sich das Tönnies Engagement als substanzloses Greenwashingvorhaben entpuppen würde.
