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Tilo Jung | Julia Friedrichs

Jung & Naiv #615 - Julia Friedrichs

über Armut, Reichtum und Ungleichheit in Deutschland. Interview vom 20. Dezember 2022.

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Podcast, Interview 2023 Jung & Naiv

Wahrgenommen von Heinrichsgeist: 2023. Zitate auf dieser Seite beziehen sich auf diese Quelle, sofern nicht anders gekennzeichnet (Zitationszweck: Anschauliche Hervorhebung ausgewählter Passagen).

Zu Gast im Studio: Journalistin, Autorin und Filmemacherin Julia Friedrichs. Zuletzt ist ihr Buch “Working Class. Warum wir Arbeit brauchen, von der wir leben können” 2021 im Berlin Verlag erschienen. Ein Gespräch über die katarische vs deutsche Feudalgesellschaft, Erben, westdeutsche Männer, der neue (alte) Adel, ökonomische Unbildung, Bildung als Antwort gegen Ungleichheit, Demokratie, Besteuerung von Einkommen vs. Vermögen, der Faktor Glück im Erfolgsfall, die Rolle des Privateigentums, die deutsche Klassengesellschaft, die Working Class, das krasse Ost-West-Gefälle, das Rentensystem, bedingungsloses Grundeinkommen sowie Julias Lebensweg und ihre Unternehmsberatungserfahrung mit McKinsey + eure Fragen

Website zur Episode Jung & Naiv #615

Interessant

McKinsey Recruitingpraktiken (01:21)

2005 nahm Julia Friedrichs im Rahmen einer Monitor-Recherche bei einer McKinsey Recruitingaktion teil:

Also, das war schon eine sehr einschneidende Rechereche, also was mich am meisten bei mir selber beeindruckt hat, war [..] welche große Sogwirkung und welche große Verlockung das auf mich hatte. [..] und vor allem wurde uns aber rund um die Uhr gesagt, wie toll wir seien und dass wir auserwählt seien zu Europas nächster Elite zu gehören

So haben sie das gesagt?

Ja, so haben sie das gesagt. Und wir sind zu Carmina Burana Klängen in so’n Ssaal einmarschiert und dann wurde gesagt ihre werdet Europa mit prägen und ihr werdet quasi

Mit euerer Unternehmensberatung?

Genau und vor allem mit euren bekloppten 24 Jahren ohne bislang was gemacht zu haben - und so sehe ich das halt jetzt. Aber da fand’ ich das, also fand’ ich erschütternd wie schnell man das annimmt und wie schnell man, obwohl man vom Verstand her die ganze Zeit denkt “ist doch Quatsch”; wie verführerisch das ist und wie sehr ich gedacht habe “ach’ ja warum denn eigentlich nicht” und “ach ja, krass” wenn man das dritte mal hört wie toll und wie smart man ist, dass man denkt “ja vielleicht ja wirklich”

Rente (01:56)

Themen: Eintrittsalter, Beitragsbemessungsgrenze, Beamte, Maximalrente

Aber gleichzeitig schreit auch alles danach die Grundlage zu verbreitern. Also auch da wieder: Vermögen hinzuzuziehen, die Bemessungsgrenze [..] das versteh’ ich gar nicht, das konnte mir auch noch niemand, also vielleicht einer von euren Zuhörern, warum gibt es eine Bemessungsgrenze, warum werden Sozialabgaben nur bis zu ’nem bestimmten Einkommen fällig, und darüber hinaus nicht mehr? Versteh’ ich nicht.

Bedingungsloses Grundeinkommen (02:02)

Ihre Meinung hat mein Bild korrigiert:

Bei Erwachsenen halte ich es für keine gute Idee.

Warum?

Weil in all meinen Recherchen ich immmer den Eindruck hatte, dass die Arbeit den Menschen viel bedeutet und dass sie auch ’nen Stolz empfunden haben. [..] Ich hab’ das Gefühl das bedingungslose Grundeinkommen ist oft so ein gehobenes Mittelschichtsthema. Da überlegen Leute “oh, dann können wir so Projekte machen und sind abgesichert” und die benutzen aber jemand wie Sait um zu sagen “den befreien wir dann quasi von solchen unangenehmen Arbeiten” und suggerieren, dass das für ihn quasi schlimm ist, dass er diese Tätigkeit tun muss.

Dass er diese Tätigkeit macht, ist für ihn aber gar nicht so schlimm, das gibt ihm Würde, er definiert sich darüber, er sagt seinen Kindern “euer Vater ist Einer der arbeitet”. Was schlimm ist, ist dass der so wenig verdient, dass ist für ihn schlimm! Und ich finde die vielleicht viel schönere und aber auch vor allem greifbarere Utopie wäre doch zu sagen “Niemand soll so wenig verdienen. Jeder soll für seine Arbeit anständig bezahlt werden und vielleicht auch so bezahlt werden, dass 30 Stunden pro Woche wenn er mag genügen, um ein gutes Leben zu führen”. Und das ist für mich die viel greifbarere, nähere Utopie

Stichwörter

Ungleichheit, Armut, Reichtum, Erben

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