Im Zuge der sehr aufschlussreichen Lektüre… Was ich an MMT (noch) nicht verstanden habe
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Videolinks: ** Maurice erklärt Staatsfinanzierung mit fundierter Evidenz ** Lücke: Wann und warum bekommen die Geschäftsbanken Zentralbankgeld? ** ^daher Ergänzend dazu, Bundesbank erklärt Zentralbankgeldschöpfung
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^mein Eindruck: wenn sich der Staat über Ausgabe und Verkauf von Staatsanleihen Reserven aus der Privatwirtschaft beschafft, dann steigt nicht die Menge an Zentralbankgeld, d.h. das ist etwas anderes als Gelddrucken. Der Staat könnte auch Gelddrucken lassen, die Menge an Reserven würde dann insgesamt steigen und es gäbe mehr Konkurrenz um Ressourcen. Denn mit dem Kauf einer Staatsanleihe bekennt sich eine Geschäftsbank dazu, dass sie die Reserven nicht für anderweitige Investitionen verwendet, also damit keine wirtschaftliche Ressourcen verwendet. ** das könnte eine Erklärung sein, dass die allseits beschworenen Inflationseffekte nicht eintreten ** das könnte auch Antwort sein auf die Frage, warum sich der Staat Geld leiht, womit sich sogar Ökonomen schwer tun: Why ** ^Antwort: weil wir Reserve-Balance (und -Verteilung) zwischen Privatwirtschaft und Staat brauchen beim Zugriff auf wirtschaftliche Ressourcen. Wir scheuen uns diese Balance per Steuerpolitik herzustellen, weil unbeliebt. Daher mach wir das über Staatsanleihen.
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zweites Adam Tooth Interview bei Tilo Jung: Frage am Ende wie er zur MMT steht, da zeigt er sich leicht enttäuscht von unzureichender Antworten der MMTler auf US Amerikanische Entwicklung in 2023. –> das hab ich nicht verstanden, bitte erklären lassen
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was wäre heutige MMTler Antwort auf die Stagflationssituation in den 1970ern? –> Zeit in der Monetarismus populär wurde –> historischer Abriss und detaillierte MMT-Analyse von 1970 bis 1992 (Maastricht) wäre doch vielleicht aufschlussreiche, oder?
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Was passiert denn, wenn Staatsschulden ins unermessliche steigen, sich z.b. verzehnfachen? Oder Verhundertfachen? Wie kann man sicher sein, dass Preisstabilität gewährleistet werden kann? Oder die Zinsverpflichtungen nicht doch zu einer Last wird?
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Wieso genau sind hohe staatliche Zinszahlungen kein Problem für künftige Generationen? Sind wir sicher, dass es keine Nebeneffekte gibt, die nicht auf dem Schirm der MMT sind?
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Kapitel 6, gegen Ende “Angesichts dessen, dass die Zinssteuerung ein nicht wirklich hilfreiches wirtschaftspolitisches Tool [..] ist”. Wieso genau nicht?
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Hinweis auf DF Hörsaal Podcast zu Universitätscharakteränderung:DF Nova Früher war Uni anders
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Sollte der Auftrag der Zentralbanken Preisstabilität geändert werden? Wie? (Hintergrund: David ohne Steinschleuder gegen Goliath)
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Ist zwei Prozent Inflationsziel sinnvoll? Warum?
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Wie sind Themen Deflation oder Nullprozent-Inlfation einzuordnen
HG Artikel über MMT - positives Re-Framing
Es gibt kein Steuerzahlergeld - sondern Zentralbankgeld zum Betrieb eines staatlich geschützten Wirtschaftssystems - das Zentralbankgeld ist ein Umlaufmittel/Schmiermittel um Menschen und Unternehmen an dem System zu beteiligen. Beschlossene Staatsausgaben erzeugen das Geld bei der Zentralbank, hierbei wird das Geld in den Umlauf gepumpt, währen die Steuern der Rückkanal zum Einzug des Zentralbankgeldes darstellt. So entsteht ein Kreislauf. Funktion der Steuer ist also einmal Anreiz zur Beteiligung am Wirtschaftssystem, Legitimation des staatlichen Geldes (Ausdruck der Souveränität), und schließlich auch Steuerungsfunktion um schädliches Verhalten zu minimieren.
Das Bild der schwäbischen Hausfrau ist schief - sie spart oder verschuldet sich einer Währung, die sie selbst nicht erzeugen kann, sie kann Pleitegehen - das kann dem währungssouveränen Staat nicht passieren.
Der Spruch “Mit Schulden kann man kein Wachstum erzeugen” ist falsch - die meisten wirtschaftlichen Wachstumsvorgänge basieren auf kreditfinanzierten Investitionen.
Schwarze Null…
Woher soll das Geld für Vorhaben XY kommen? Diese Frage kommt reflexartig bei neuen politischen Ideen. Das ist eine pessimistische, negative und falsche Sicht auf die Wirtschaft, die den Handlungsspiel unnötig beschränkt (Mythos: Geld kommt von den Steuerzahlern, mehr kann sich der Staat nicht leisten) und gleichzeitig die falsche Ziele anvisiert. Diese Perspektive versteht professionelles Wirtschaften als ein numerisch-monetäres Optimierungsproblem (BIP maximieren, Schwarze Null, Maastricht-Kriterien usw.) - und “Wohlstand für Alle” wird sich dann schon mit unsichtbarer Hand einstellen - haha, Trickle-Down ist widerlegt. Bitter bei diesem Bild, der Staat ist nicht der Souverän (Geldgeber) sondern der Knecht (Geldnehmer), der Souverän sind die großen Steuerzahler (Konzerne) die den Spielraum und die Spielregeln bestimmten. Das ist nicht nur neoliberal, sondern auch undemokratisch, denn der Staat (wir alle) wird zum Bittsteller - alle macht geht vom Volke aus wird systematisch ausgehöhlt.
MMTler rücken dieses Bild positiv zurecht. Wir verstehen das Geldsystem, daher wissen wir, dass Geld eine wichtige und nützliche Hilfsgröße (ermöglicht die Mobilisierung realer Ressourcen) im Wirtschaftssystem ist, aber nicht der Hauptzweck des Wirtschaftens und auch nicht kanpp. Monetäre Betrachtungen rücken aus Staatsperspektive in die zweite Reihe. Wir konzentrieren uns auf das Wesentliche:
- Top Ziele: Übernahme einer Gestaltungs- und Führungsrolle. Versorgung der breiten Bevölkerung mit Produkte und Dienstleistungen, starke Gedunsheits- und Pflegeversorgung, Aufbau und Betrieb einer starken Infrastruktur, Lebenswerte Umwelt, innere und äußere Sicherheit, Fairness mit dem Staat als starken Schiedsrichter
- operative Ziele: Vollbeschäftigung, gute Auslastung der Ressourcen (differenzierte Sektorbetrachtungen), fair share, Unterbindung Steuerhinterziehung/ -Vermeidung und Wirtschaftskriminalität; Betrieb sinnvoller Förderprogramme.
Richtig ist stattdessen die Frage: Welche Ressourcen können wir mobilisieren, um dieses Ziel zu Erreichen.
Mythos: MMT ist eine Einladung zum unbegrenzten Gelddrucken. Falsch: MMTler sagen, bei Vollausgelasteten Ressourcen kann es schädlich sein, weiteres Geld ins System zu pumpen.
Erhöhung der Geldmenge führt nicht zwangsläufig zu Inflation (entscheidend ist die Entwicklung der Lohnstückkosten). Bei konstanter Geldmenge führt erhöhte Geldnachfrage zu erhöhten Preisen für Geld (Zinssatz).
Fragen an Flassbecks Grundlagen einer relevanten Ökonomik
Ob die Banken Einlagen brauchen, um Kredite vergeben zu können, hat die MMT zu ihrer Kernfrage gemacht. Dabei ist diese Frage unwichtig. Eine Bank braucht in der Tat keine Einlagen, um einen Kredit zu vergeben, aber in der Gesamtwirtschaft wird dennoch die Gesamtsumme der Einlagen mit der Gesamtsumme der Kredite in einem bestimmten Verhältnis stehen, weil das Geschäftsmodell der Banken (Gewinn entsteht aus der Differenz von Soll- und Habenzins) nur Erfolg haben kann, wenn sie etwa in der Größenordnung der Einlagen Kredite vergeben. Dass das möglich ist, dafür sorgt in jeder Volkswirtschaft der unumgängliche Ausgleich der Finanzierungssalden, wie in Kapitel 3 gezeigt.
Mein Bild: Die Bankkredite übersteigen die Kundeneinlagen um ein Vielfaches, was die Mindestreserveanforderungen eben zulassen. Die Kundeneinlagen zahlen auf die Mindestreserve ein (1:!? das weiß ich nicht). Das widerspricht den o.g. Bild, das suggeriert Einlagen/Kredite hätten gleiche Größenordnung und wären durch Saldenmechanik gekoppelt. Was haben die Makroökonomischen Finanzierungssalden mit dem Verhältnis der Bankeinlagen/-Kredite zu tun?
